Strommasten in Deutschland - StromexportDass der Ausstieg aus der Atomenergie und die verstärkte Förderung alternativer Energien einschneidende Veränderungen auf dem Strommarkt mit sich bringen würden war klar. Aufgrund der Stilllegung von vielen Atomkraftwerken kommt es zeitweise zu einer Verknappung im Stromangebot. Gleichzeitig ist der deutsche Stromexport im letzten Jahr um fast das Vierfache gewachsen.

Warum der Widerspruch?

Der Gegensatz zwischen einer Verknappung des Angebots auf der einen Seite und einer enormen Steigerung des Exports von Strom auf der anderen Seite ist nur scheinbar. In Wirklichkeit stellt er eine Reaktion der Stromerzeuger auf die aktuelle Situation am Markt dar. Der deutschen Wirtschaft ist es nämlich gelungen, trotz eines im Vergleich zu anderen EU-Ländern bemerkenswert hohen Wachstums Strom einzusparen. Das wurde durch eine Erhöhung der Effizienz erreicht, d. h. die vorhandene Energie wird besser genutzt. Erstmals gelang es, Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig sinkendem Stromverbrauch zu erzielen. Damit ist Deutschland ein Vorbild für andere Industriestaaten.

Welche technischen Ursachen stecken hinter dem Phänomen?

Ein Großkraftwerk ist kein Motor, der nach Belieben eingeschaltet oder abgestellt werden kann. Um wirtschaftlich zu arbeiten, muss es mit einer bestimmten Mindestlast arbeiten, also eine bestimmte Mindestmenge Strom produzieren. Strom kann nicht in nennenswerten Mengen gespeichert werden. Wenn es für den Strom im Binnenland keine Abnehmer gibt, ist es ökonomisch sinnvoller ihn zu exportieren anstatt das Kraftwerk herunterzufahren oder gar abzuschalten. Zudem wird ein stetig wachsender Anteil des Stroms aus alternativen Quellen wie Sonnenenergie oder Windkraft erzeugt. Diese Quellen stehen aber nicht gleichmäßig zur Verfügung. Es gibt immer Zeiten, in denen mehr Strom produziert wird, als momentan verbraucht werden kann. Anstatt Anlagen abzuschalten ist es daher sinnvoller den ungenutzten Strom zu exportieren.

Stromexport – profitiert der Verbraucher?

Leider profitiert der Verbraucher nicht auf direktem Weg. Der Stromexport führt zu einem Sinken der Strompreise für Geschäftskunden. Private Verbraucher dagegen müssen die Kosten der Energiewende durch steigende Strompreise finanzieren. Indirekt profitieren sie aber auch vom Stromexport. Zum einen kommen beispielsweise viele Privatpersonen in den Genuss der gesetzlich gewährleisteten Einspeisungsvergütung – zum einen wenn ihre Anlagen Strom ins öffentliche Netz liefern, zum anderen wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie durch billigen Strom gestärkt. Das wiederum führt zu mehr Exporten und zu sicheren Arbeitsplätzen.

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