Exportorientierung entscheidet über wirtschaftlichen Wohlstand
Ein Vergleich europäischer Volkswirtschaften zeigt, wie unterschiedlich diese ausgerichtet sind.
Länder wie Griechenland verfügen kaum über Branchen, die Güter in das Ausland liefern.
Vor allem bei der Industrie mangelt es. Ähnliches ist für Portugal und Spanien festzustellen.
Unter anderem aus diesem Umstand resultieren die dortigen Schuldenkrisen. Die Staaten müssen viele
Produkte von anderen Ländern einführen, sowohl die öffentliche Hand als auch Privatpersonen nehmen
dafür Schulden auf. Zugleich generieren sie aber selbst kaum Einnahmen durch Exporte. Staaten wie die Schweiz,
Schweden und die Niederlande stehen besser da. Die starke Exportorientierung der Industrie verhilft solchen
Ländern zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum mit hohen Steuereinnahmen und vielen gut bezahlten Arbeitsplätzen.
Exporte lassen deutsche Wirtschaft wachsen
Kein anderes Land zieht einen so großen Gewinn aus dem internationalen Handel wie Deutschland.
Schon seit vielen Jahren treiben die Exporte das deutsche Bruttoinlandsprodukt nach oben.
Beeindruckend liest sich auch die Import-Export-Bilanz: Laut dem ifo-Institut hat der ökonomisch
bedeutendste Staat Europas Waren im Wert von etwa 210 Milliarden Dollar mehr ausgeführt als eingeführt.
Damit liegt Deutschland global an der ersten Stelle. Das liegt unter anderem daran, dass die Industrie
hierzulande schon seit vielen Jahrzehnten exportorientiert ist. In Schlüsseltechnologien wie dem
Maschinenbau gelten deutsche Firmen als weltweit führend. Auch in der Automobil-, der Elektro- sowie der
Chemieindustrie verfügen Unternehmen über einen ausgezeichneten Ruf. Es kommt der Standortvorteil hinzu,
dass Deutschland wie die skandinavischen Staaten, Österreich und die Niederlande über hoch qualifizierte
Arbeitskräfte verfügt. Das umfasst nicht nur Studienabsolventen, sondern auch Industriearbeiter mit einer
abgeschlossenen dualen Ausbildung.
Unternehmen profitieren vom europäischen Wirtschaftsraum
Die zunehmende Globalisierung in den vergangenen Jahren kam exportorientierten europäischen Unternehmen zu gute.
Vor allem die Entstehung eines einheitlichen europäischen Wirtschaftsraums, bei welchem Zoll und in der Euro-Zone
Wechselkursrisiken wegfielen, verlieh der Exportindustrie zusätzlichen Schwung. Ein Vorzug besteht aber weiterhin
darin, dass die besten europäischen Firmen die gesamte Welt beliefern. Krisenbedingt verzeichnen viele Unternehmen
momentan Absatzeinbrüche in Staaten wie Griechenland, Italien und Spanien. Die Einbußen können sie weitgehend
ausgleichen, da die Umsätze mit diversen, schnell wachsenden Schwellenländern wie China überdurchschnittlich steigen.
Die Flexibilität der Exportwirtschaft
Der globale Erfolg vieler europäischer Produkte lässt sich nicht allein mit der Qualität der Erzeugnisse erklären,
wenngleich sie eine bedeutende Rolle spielt. Exportorientierte Firmen, dazu zählen insbesondere zahlreiche mittelständische
Betriebe, agieren flexibel. Sie passen sich zeitnah den Markterfordernissen an. Manche Firmen haben sich beispielsweise auf
Nischenprodukte konzentriert, die von keinem anderen Unternehmen angeboten werden. Zugleich haben Konzerne auf der ganzen
Welt Niederlassungen. Teilweise wurde das als Auslagerung von Arbeitsplätzen kritisiert. Aber die Realität zeigt meist,
dass davon auch die Belegschaft am europäischen Stammstandort profitiert.
Gefahr der zu hohen Exportabhängigkeit
Doch nicht alle Ökonomen beurteilen die Situation positiv. Sie verweisen darauf, dass insbesondere Deutschland mit seinem
hohen Exportüberschuss von der Weltwirtschaft abhängt. Dadurch entstehen internationale Ungleichgewichte. Einige
Wissenschaftler führen die aktuelle Verschuldungskrise einiger Staaten darauf zurück, dass Deutschland die Welt mit
Waren überschwemmt. Sie fordern deswegen eine Politik und Tarifabschlüsse, welche die Zahl beim Export senkt und beim
Import erhöht. Bei den skandinavischen Staaten, der Schweiz oder Großbritannien ist diese Abhängigkeit wesentlich kleiner:
Bei einem Rückgang der Exporte sorgt dort die Binnennachfrage für die Stützung der Wirtschaft, zugleich ist deren
Export-Import-Bilanz ausgeglichener.
Die Anforderungen der Zollabwicklung
Die Exportindustrie sieht das aus Eigeninteresse anders, sie möchte ihre Umsätze weiterhin steigern. Sie wirbt deshalb
weltweit für ihre Produkte. Die Erschließung neuer Absatzmärkte stellt aber nur die allgemeine Aufgabe eines Unternehmens
dar, zudem muss es auch konkrete und teilweise komplexe Zollverfahren organisieren. Hierzu gehört erstens, sämtliche
Bestimmungen zu kennen und sich stets auf dem aktuellen Stand zu halten. Bei Exporten in Staaten außerhalb der Europäischen
Union müssen Verantwortliche zahlreiche Regeln beachten. So beschränken manche Länder die Einfuhr bestimmter Waren oder
verbieten diese sogar. Zuwiderhandlungen können kostspielige Bußgeldbescheide zur Folge haben, im schlimmsten Fall sogar
Strafverfolgung. Zweitens unterscheiden sich die Bestimmungen in technischer Hinsicht. Es gibt verschiedene Systeme, die
der Zoll zur Abfertigung von Transportgütern anwendet. So gibt es zum Beispiel das e-dec Export Verfahren der Schweiz,
Deutschland setzt dagegen auf das Auto Export System ATLAS. Angesichts der zahlreichen Herausforderungen verfügen große
Konzerne über extra Abteilungen für die Zollfracht, kleinere Firmen nehmen die Hilfe von darauf spezialisierten Dienstleistern in Anspruch.